Umzug ins Tiny = Selbstverantwortung

November 28, 2018 Exenberger Markus

Wo viel Licht, gibt es auch Schattenseiten. Hier geht es um die Nachteile, wenn man ein tiny dauerhaft bewohnt. Bevor wir ein Produkt kaufen, sehen wir darin nur zu gerne all dessen Vorteile. Die Nachteile will man oft nicht wahr haben - teilweise stellen sich diese auch erst später heraus. Ähnliches beim Tiny House, die Vorteile liegen auf der Hand - es ist klein, ich muss wenig putzen, die Betriebskosten sind geringer, ich kann es mir leisten und ev auch selbst bauen und ich kann es ökologisch und autark gestalten. Und wer will sich in dieser euphorischen Planungsphase mit den Nachteilen beschäftigen? Mit dem Umzug in ein tiny setzt man sich den Umwelteinflüssen in ganz anderer Art und Weise aus, als in einer Wohnung oder einem großem Haus. 

Die Dämmung ist meist geringer, meist auch der Schallschutz. Winden und Stürmen bin ich unmittelbarer ausgesetzt. In einem kleinem Haus, welches meist im Holzriegelbau errichtet wurde, habe ich viel mehr das Gefühl, draußen mit der Natur verbunden zu sein. Es kühlt schneller aus und wird im Sommer schneller warm. Wir wünschen uns ja mehr Naturverbundenheit, ich will nur bewusst darauf hinweisen.

Sofern wir eine Photovoltaik betreiben, braucht diese Betreuung und Wartung. Das System muss regelmäßig überwacht, Batterieladezustände kontrolliert und das Wetter beobachtet werden. Strom aus der Steckdose ist einfacher. Idealerweise weiß ich genau über die Elektroinstallation Bescheid und werde nicht panisch, wenn einmal das Licht aus ist. Gleiches gilt für Internet. 

Sofern ein Wasserkreislauf eingebaut wurde, muss dieser ebenfalls überwacht und bei Problemen in Gang gebracht werden. Generell werde ich einen anderen Bezug zum Wasser bekommen. Denn ich habe mit diesem Element viel mehr zu tun, als einmal im Quartal eine Rechnung zu zahlen. Die Regenwasserableitungen müssen funktionieren, die Fensterbretter und alle Öffnungen intakt sein. Auch die Frostfreiheit von Wasser und Abwasser muss durchgehend gewährleistet sein. Der gesamte Wasserverbrauch wird sich reduzieren.

Auch die Routinen des Abspülens und des Wäschewaschens werden sich ändern. Welche Waschmittel kann ich noch verwenden, wo trockne ich die Wäsche? 

Alle wollen nun eine Trockentrenntoilette, aber habe ich bedacht, was ich langfristig mit Urin und Kot mache? Dass ich Lüfter und Siphon der kontrollieren muss? 

Was ich damit sagen will: Wer die Vorteile dieses Lebens genießen will, sollte sich des Mehraufwandes bewusst sein. Wir sind aufgewachsen in Wohnräumen, welche zwar nicht ideal waren, aber man musste sich keine Gedanken über Wasser, Strom, Frostfreiheit, Kanal und vieles mehr machen. Der Umzug in ein TH bedeutet mehr Eigenverantwortung und sich mehr und direkter um Problemchen kümmern. Es bedeutet mehr in die eigene Hand zu nehmen und sich mit mehr Dingen zu beschäftigen, als man es gewohnt war. Einige Menschen sind damit überfordert, dann ist die Zeit einfach noch nicht reif. Dennoch kann ich aus eigener Erfahrung abschließend sagen, es lohnt sich allemal!